Die Zunftfigur Späudi


Die Zunftfigur "Späudi" und "Schicken"

Späudi (gesprochen: Schpoidi) ist nach der Überlieferung ein Schimpfwort, das zwischen den "Altvorderen" von Niederschopfheim und der Nachbargemeinde Hofweier in der Hochblüte des Tabakanbaus und dessen Verarbeitung gegenseitig zugerufen wurde. Wer nun eigentlich wen zuerst als Späudi betitelte ist heute nicht mehr zweifelsfrei zu klären. Abzuleiten ist die Bezeichnung sicherlich von dem unschicklichen ausspäue (gesprochen: üssschpoie) des mit "Schick - unfermentierter Tabak, Stumpen- oder Zigarrenstücken" angereicherten Speichels in alle Ecken und Winkel, in der Stube meist zielsicher in einen blechernen Spucknapf. Diesem Genuß wird auch heute noch mit mehr oder weniger Hingabe gefrönt, jedoch mit technisch verfeinerten Kautabaken. Eine breite Palette von Schnupftabaksorten, fetzig bis softig kann sich der passionierte oder der Gelegenheitsschnupfer genüßlich in die Nase ziehen.
 

 
Entwicklung und Ausstattung

Auf der Suche nach einer geeigneten ortsbezogenen Fasentfigur wurde dieser junggeschichtliche Hintergrund ausgelotet und ein "Spezi Tabago" zu närrischem Leben erweckt. Es lag nahe als Grundfigur einen bäuerlichen Typ um die Jahrhundertwende mit einem fröhlich verschmitzten Gesicht entstehen zu lassen. Nach einer Bleistiftzeichnung des Grafikdesigners Heinz Kaufmann entstand unter den Händen des damaligen Insignienmeisters des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte, Richard Fahr, die Reinzeichnung der Larve. Auf dieser Grundlage fertigt der Prechtaler Holzschnitzer Franz Lang die erste Späudimaske aus Lindenholz. Als Kleidung wählte man ein grünes Langarmhemd mit Stehbundkragen und schwarzen Knöpfen, eine schwarze weite Kniebundhose mit seitlicher lederner Schnürung, rote Kniestrümpfe und Strohschuhe mit Schlauchgummisohle. Aus witterungsbedingten Gründen fanden später noch Holzschuhe allgemeinen Zuspruch. Über dem Hemd trägt der Späudi eine ärmellose Jobe, besetzt mit hell- und dunkelbraunen Filzblättern als Tabaksymbol. Ein original Tabakgurt mit Messingrollen besetzt dient als Gürtel. Die Narrenkappe besteht aus einer handgestrickten langen wollenen Zipfelmütze, die am Maskenansatz mit kleinen Filzblättern und am Mützenende mit einer kleineren Rolle bestückt ist. Ein lederner Schnupftabakbeutel, ein rot/schwarz gemustertes Schnupftuch und nicht zuletzt schwarze Finger-Wollhandschuhe runden das Erscheinungsbild ab.

 


Und was treibt der Späudi an der Fasent?

Er verteilt natürlich frischen Schnupftabak, den er in seinem ledernen Schnupfbeutel mit sich führt, selbstverständlich hygienisch verpackt in einer Plastikflasche. Und mit recht viel Routine wird die Schnupftabaks-Prise liebevoll aber bestimmt „verabreicht“. Mit dem großen, roten Schnupftuch werden dann jeweils die Überreste kräftig „weggefuchtelt“.
Die anfängliche Skepsis der Zuschauer ob dem angebotenen Schnupftabak verlor sich sehr schnell. Viele Niederschopfheimer wurden zwischenzeitlich zu begeisterten „Schnupfern“ und unser Späudi-Spruch ist weit über die Grenzen des Ortenaukreises hinaus bekannt.


Schni – Schna Schnupfdüwak,
den hänn mir Späudi im ä Sack.
Mir bietes einem jede a`,
do hänn mir Späudi Gaudi dra`.


Gesundheitliches

"Der Schnupftabak reinigt den Magen, vertreibt Bauchweh, verschont den Magen, heilt Geschwüre und schützt vor Pest." (Zitat aus einem Kräuterbuch von 1656)


Genesisiales

"Am Anfang schuf Gott Adam, später tat ihm Adam leid und er schuf Eva. Da tat ihm der Mann erst recht leid und er schuf den Tabak" (Zitat aus USA)

 

Die Späudikinder und die Späudi-Gruppenleiter im Jubiläumsjahr v.l.n.r.: Tobias Zeller, Anna-Maria Gnädig, Thomas Ehret